Herr S. im LCD-Dschungel
Der Flachbildschirm, das unbekannte Wesen
Benjamin Schnitzler
Seinem Ziel, den für ihn richtigen Flachbildschirm zu finden, ist Herr S. schon ein ganz schönes Stück näher gekommen. Doch seine Odyssee durch die Untiefen von Hersteller- und Werbeangaben geht weiter. Dabei stößt er auf Dinge, die mancher Monitorproduzent nur allzu gern unter den Teppich kehrt und mehr Raum zur Spekulation offen lassen, als ihm lieb ist.
Wie Herr S. feststellen muss, ist das Kapitel des Kontrastes noch längst nicht zu Ende geschrieben. Beim Wälzen von Werbeprospekten, Testberichten und Datenblättern drängt sich ihm ein weiterer Begriff aus der LCD-Welt geradezu auf - der maximale Sicht-, Blick- oder Betrachtungswinkel. Als er seinen Röhrenmonitor erwarb, musste er sich nie um irgendwelche, nicht näher beschriebenen Grad-Zahlen kümmern. Der alte Schreibtischklotz präsentierte sein flimmerndes Bild schließlich auch dann in voller Pracht, wenn er von der Seite oder von oben darauf schaute.
Auf die Sichtweise kommt es an: Der Blickwinkel
Nicht so der Flachbildschirm: sobald der Herr S. nicht mehr stur geradeaus blickt, verändert sich der Kontrast - mal stärker, mal schwächer, je nach verwendeter Technologie. Im Regelfall geben die Hersteller hier nur die seitlichen, sprich vertikalen und horizontalen Blickwinkel an. Diese Werte besitzen jedoch zu wenig Aussagekraft, da man in Praxis meist von einer Position aus zusieht, die sich irgendwo dazwischen befindet. Als Bemessungsgrundlage für den Höchstwert dient der Punkt, an dem ein Kontrastverhältnis von mageren 10:1 unterschritten wird.
Nichtssagende Herstellerangaben
Weitaus sinnvoller und weniger realitätsfremd wäre hier jedoch eine schematische Darstellung, welche den jeweiligen Sichtwinkel mit dem dann noch verbleibenden Kontrast in Verbindung bringt, schlussfolgert Herr S. Ohnehin ist die Angabe des maximalen Kontrastes mit Vorsicht zu genießen. Denn um auf den vom Hersteller ermittelten Maximalwert zu kommen, müsste der Zuschauer schließlich in einem völlig abgedunkelten Raum sitzen - was weder besonders gesund, noch die Regel ist.
Selbst wenn ein hochwertiger Flachbildschirm einen Kontrast von 1.000:1 erreicht, bleibt im hellen Tageslicht und bei ungünstiger Sichtweise nicht mehr viel davon übrig. Darüber hinaus kann es je nach Hersteller vollkommen unterschiedlich sein, wie stark die Bildqualität unter der Veränderung des Blickwinkels leidet. Während einige Monitore sich stark verfärben, werden andere wiederum nur heller oder dunkler. Wer den Weg des geringsten Risikos gehen will, sollte zu einem Modell mit einem maximalen Sichtwinkel von 178 respektive ±89 Grad greifen.
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