"Made in Germany": Interview mit Innovatek
CeBIT: Wasser statt Lüfter - die bessere PC-Kühlung
Benjamin Schnitzler
netzwelt: Ist Wasser im Rechner nicht gefährlich?
Markus Husterer: Nein, keineswegs, es gibt auch recht anschauliche Versuche dazu. Bei korrekter Anwendung ist ein Leck schon rein hardware-technisch so gut wie ausgeschlossen. Sollte es durch irgendeinen Zufall oder aufgrund fehlerhafter Montage doch zum Problem kommen und Kühlflüssigkeit tritt aus, dann ist das auch kein Problem, da diese Strom nicht leitet. Bei einem Experiment wurde unsere Kühlflüssigkeit in einen laufenden PC geschüttet - ein großes Glas voll - und der PC stürzte nicht ab, sondern lief ganz normal weiter.
netzwelt: Stichwort ältere PCs: Kann da nicht dennoch durch Staub ein Kurzschluss aufkommen, weil er mit der Flüssigkeit eine leitende Verbindung eingeht?
Markus Husterer: Das kann durchaus sein, ja. Man muss ganz klar sagen, dass die Nicht-Leitfähigkeit nur im Originalzustand gegeben ist, das ist absolut richtig. Sobald sich die Kühlflüssigkeit mit zum Beispiel Staub oder anderen Substanzen vermischt, dann steigt auch die Leitfähigkeit. Man hat aber in jedem Fall genug Zeit, den Rechner bedenken- und gefahrlos abzuschalten. Dazu gibt es auch entsprechende Warnsysteme, die den PC im Fehlerfall automatisch abschalten. Einen Kurzschluss wird man nie haben. Die Leitfähigkeit würde im schlimmsten Fall nur langsam ansteigen und irgendwann würde der PC abstürzen. Aber das heißt noch nicht, dass irgendwas kaputt geht.
netzwelt: Reicht es denn, den Rechner danach einfach trocknen zu lassen?
Markus Husterer: Absolut. Selbst wenn wir in unserem Labor herumbasteln und experimentieren, passiert es ab und an, dass ein Schlauch einfach vergessen wird und da läuft auch schon mal ein halber Liter Kühlflüssigkeit in den Rechner. Damit hatten wir noch nie ein Problem, wir hatten auch noch nie einen Hardware-Ausfall. Die Gefahr ist zwar immer latent im Kopf, weil jeder denkt "Oh, Wasser im PC! Welch' Problem, welch' Dramatik!", in der Praxis ist es aber überhaupt kein Problem.
Wasserkühlungen auf der CeBIT 2006
Für Großbildansicht auf ein Bild klicken.netzwelt: Ein PC-Lüfter sollte alle paar Monate oder einmal im Jahr gereinigt werden. Wie wartungsintensiv ist denn eine Wasserkühlung?
Markus Husterer: Auch die Wasserkühlung ist nicht ganz wartungsfrei. Man könnte sie zwar so auslegen, dass würde aber den Geldbeutel unnötig strapazieren. Wir gehen davon aus, dass eine Kontrolle alle zwei Jahre ausreicht. Es könnte ja sein, dass eine Verschlauchung nicht hundertprozentig angezogen wurde. Sie ist dann zwar nicht undicht, aber es diffundiert Wasser hindurch. Man würde erst in circa zwei Jahren merken, wenn Wasser im System fehlt. Das lässt sich dann nachfüllen.
Normalerweise ist eine Wasserkühlung aber nahezu wartungsfrei, wenn nicht sogar weniger aufwändig zu warten als eine Luftkühlung. Wie Sie schon angesprochen haben, muss eine Luftkühlung von Staub befreit werden. Es ist wie beim Auto. Da reicht es auch vollkommen, wenn Sie gelegentlich einmal nach dem Wasserstand schauen.
netzwelt: Ist der Aufbau nur etwas für Profis?
Markus Husterer: Das kommt darauf an, schließlich gibt es unterschiedlichste Lösungen. Es ist in jedem Fall deutlich einfacher als es noch vor ein paar Jahren war.
netzwelt: Es wird also immer einfacher, eine Wasserkühlung einzubauen?
Markus Husterer: So ist es. Ein Beispiel: Vor drei, vier Jahren gab es noch den obligatorischen Wassereimer neben dem PC. Das ist natürlich nicht mehr zu vergleichen mit dem aktuellen Stand. Jetzt gibt es mittlerweile Gehäuse mit bereits fix und fertig eingebauter Wasserkühlung, bei denen man nichts mehr am Kühlsystem machen muss.
Dann gibt es externe Kühlsysteme, die keinerlei Einbauaufwand im Gehäuse verlangen. Es geht aber trotzdem noch hin bis zu Sets, bei denen Sie tatsächlich noch selber basteln müssen, aber das ist auch gefragt. Das hängt wirklich vom Anwender selbst ab - zwischen null Einbauaufwand und kompletten Einbaulösungen ist alles möglich.
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