Ratgeber für werdende Overclocker
Tutorial: PC übertakten, aber richtig
Benjamin Schnitzler
Schritt 2: Prozessortakt erhöhen
Nun haben wir zwar den FSB erhöht, doch durch den niedrigeren Arbeitsspeicher-Teiler sowie des kleineren CPU-Multiplikators ist das System folglich langsamer als vorher. Der ermittelte Referenztakt aber dient nicht in erster Linie dazu, voll ausgeschöpft zu werden, sondern vielmehr dazu, das Mainboard als begrenzenden Faktor auszuschließen. Für den Anfang wollen wir uns mit etwa 400 Megahertz mehr Prozessortakt zufriedengeben. Dafür genügt bereits ein FSB von 250 Megahertz und ein Multiplikator von x10,5.
Vom ersten Rückschlag - Windows hängt beim Booten - lassen wir uns jedoch nicht entmutigen. Stattdessen erhöhen wir sehr gemächlich die CPU-Spannung (Vcore). Hier ist besondere Vorsicht geboten, denn ein zu hoher Wert kann das Herzstück ernsthaft beschädigen. Nach einer Vcore-Erhöhung von 1,344 auf 1,425 Volt fährt das Betriebssystem wieder ordnungsgemäß hoch. Um keine Speicherbandbreite einzubüßen, erhöhen wir den RAM-Teiler von 133 auf 166 Megahertz, womit er moderat übertaktete 208 Megahertz erreicht.
Um zu testen, ob ein übertaktetes System auch wirklich stabil läuft, braucht es viel Zeit. Ein beliebtes und kostenloses Hilfsmittel ist Prime95. Wenn es der Übertakter zu weit getrieben hat, hagelt es beim so genannten Torture-Test gnadenlos Fehlermeldungen. Diese sollten auch unbedingt beherzigt werden, denn sonst kann es später zu beschädigten Dateien, Datenverlust oder Abstürzen kommen. Erst wenn Prime95 zwölf bis 24 Stunden fehlerfrei durchläuft, kann von einem stabilen System ausgegangen werden. Kenner sprechen dann auch von "primestable".
Sollte der PC überfordert sein, spuckt Prime bereits nach wenigen Sekunden oder Minuten Fehlermeldungen aus. Wem ein schnellerer Prozessor immer noch nicht ausreicht, der kann zusätzlich noch den Arbeitsspeicher übertakten, indem er den Teiler erhöht.
Bei Modulen, die nur für einen DDR-Takt von 400 Megahertz spezifiziert sind, ist der Erfolg dieser Aktion jedoch reine Glückssache. Manche Module erreichen durch das Verlangsamen oder "Entschärfen" der Timings oder Erhöhung der DIMM-Spannung höhere Werte, andere wiederum nicht.
Wer sich nicht auf Fortunas Gunst verlassen möchte, kauft gleich den passenden RAM für mehr Megahertz. Im konkreten Fall würde sich DDR-500-Speicher anbieten, der sich synchron zum FSB-Takt mit 250 Megahertz betreiben lässt. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass eine Erhöhung des Speichertakts tendenziell mehr Leistung bringt als schärfere Timings. Manche Module beherrschen beides, reißen aber meist die größten Löcher ins Portemonnaie. Als Dokumentation des Overclocking-Erfolgs sowie zur Überwachung der vorgenommenen Änderungen hat sich das Freeware-Tool CPU-Z etabliert.
Die zusätzlichen 425 Megahertz Prozessortakt steckt der Tarox Modula Extreme 8000 V2 locker weg, ohne gleich laut zu werden - Wasserkühlung sei dank. Zweifellos lassen die Ergebnisse das Herz eines jeden Hobby-Übertakters höher schlagen. Doch ist das wirklich nötig? Nein, zumindest nicht in diesem Fall. Denn einen Gaming-PC für über 3.000 Euro kauft man sich eben, um genau das nicht tun zu müssen.
| Benchmark-Ergebnisse vor und nach Übertaktung | ||
|---|---|---|
| Athlon 64 X2 4400+ @2,2 GHz | Athlon 64 X2 4400+ @2,6 GHz | |
| 3DMark06 | 7.287 3DMarks | 7.827 3DMarks |
| SM2.0 / HDR/SM3.0 / CPU | 3.399 / 3.304 / 1.677 | 3.569 / 3.417 / 1.972 |
| PCMark05 | 5.632 PCMarks | 6.435 PCMarks |
| Quake 4 | ||
| High Quality / 1280x1024 / 4xAA | 112,2 fps | 121,9 fps |
| Sandra Arithmetik | ||
| Dhrystone Whetstone | 16.060 MIPS 13.591 MFLOPS | 19.047 MIPS 16.128 MFLOPS |
| Sandra Multi-Media | ||
| Integer Floating-Point | 41.643 45.379 it/s | 49.432 53.859 it/s |
| Sandra Speicher-Latenzzeit | ||
| Zufallsbasierter Zugriff Geschwindigkeitsfaktor | 85 ns 62,1 | 78 ns 67,5 |
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