Freier Musikplayer kann kopiergeschützte Inhalte wiedergeben
Songbird spielt iTunes-Songs und Napster-Downloads
Janko Röttgers
Der Open Source-Musikplayer Songbird soll ab Version 0.2.5 auch kopiergeschützte Songs aus Apples iTunes-Store und von Anbietern mit Microsofts Windows Media-DRM abspielen. Songbirds Programmierer setzten dazu auf einen Trick, um keinen Ärger mit Apple und Microsoft zu bekommen.
Aufrichtige Fans digitaler Musikdownloads haben es nicht eben einfach. Wer seine Songs bei Napster, iTunes & Co. kauft, braucht für die meisten Dienste eigene Software. Apples kostenpflichtige Downloads lassen sich nur mit iTunes abspielen. Napsters Songs können zwar mit dem Windows Media Player wiedergegeben werden - doch fürs Herunterladen braucht man dennoch den Napster-Client.
Mit diesem Programm-Wirrwarr könnte es bald vorbei sein - jedenfalls, wenn es nach dem Willen der Songbird-Programmierer geht. Das Team um den Online-Musik-Pionier Rob Lord will Songbird zu einem universellen Medienplayer ausbauen, der alle Formate wiedergibt und mit allen Plattformen zusammenarbeitet.
Anfang Februar sind die Songbird-Entwickler diesem Ziel einen bedeutenden Schritt näher gekommen: Songbirds aktuelle Vorab-Versionen ("Nightly Builds") unterstützen ab sofort das Abspielen DRM-geschützter Songs aus Apples Download-Angebot. Ebenfalls unterstützt wird die Wiedergabe von geschützten Windows Media-Inhalten, wie sie unter anderem von Napster und Musicload angeboten werden. Ab Version 0.2.5 soll dieses Feature auch regulär in Songbird verfügbar sein.
Songbird als Media Player-Oberfläche
Kompatibilität mit iTunes ist etwas, das sich Konkurrenten schon lange wünschen. Apple hat sich bisher jedoch beständig geweigert, seinen Fairplay genannten Kopierschutz an Drittanbieter zu lizenzieren. Der unter dem Spitznamen "DVD Jon" bekannte Hacker Jon Lech Johansen hat deshalb in den letzten Monaten damit begonnen, Firmen kommerzielle Hintertüren zu Apples Kopierschutz zu verkaufen.
Die Rechtslage solcher Angebote ist bisher unklar. Das Songbird-Team wollte offenbar keinen Konflikt mit Apple riskieren und hat deshalb auf ein Umgehen des Kopierschutzes verzichtet. Stattdessen bedient man sich eines simplen Tricks: Der Player setzt einfach auf Apples Quicktime, wenn er iTunes-Downloads abspielen soll. Zur Wiedergabe von geschützten Windows Media-Inhalten vertraut man zudem auf Microsofts eigenen Musik-Player.
Songbird kommt dabei zugute, dass er von Anfang an als eine Art Media-Player-Oberfläche entwickelt wurde. Hinter den Kulissen werkelt normalerweise der Open Source-Player VLC. Nun muss dieser im Zweifelsfall für einzelne Songs einem seiner kommerziellen Konkurrenten Platz machen.
Keine Lösung für Linux
Der einzige Nachteil dieser Methode: Songbird kann damit nur Inhalte auf Systemen wiedergeben, für die bereits eine reguläre DRM-Lösung existiert. Apples iTunes-Tracks lassen sich damit unter OS X und Windows abspielen, Windows Media-geschützte Inhalte dagegen nur auf Windows-PCs. Linux-Nutzer müssen also beim Kauf von Musik wohl oder übel auch weiterhin auf iTunes & Co. verzichten.
Mehr über Songbird erfahren Sie im Interview mit Rob Lord, einem Porträt, der FAQ oder direkt auf Songbirdnest.de.
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