Display denkt mit
Flachbildschirm mit adaptivem Blickwinkel
Benjamin Schnitzler
Flachbild- und vor allem Notebook-Bildschirme verändern sich je nach Blickwinkel. Dann wirken sie auf einmal dunkler, heller oder zeigen Farben falsch an. Je nach Technologie fallen diese Effekte einmal stärker, einmal schwächer ins Auge. Taiwanische Forscher entwickelten nun ein Display, das seine Darstellung automatisch der Position des Betrachters anpasst.
Verbunden mit einer Mini-Kamera verfolgt der erste Prototyp den Standort des Zuschauers. Anschließend berechnet eine Software, wie die Flüssigkeitskristalle, aus denen die Bildfläche eines TFT-Monitors besteht, am besten angeordnet werden müssen, um ein möglichst optimales Bild zu erzeugen. Entworfen wurde dieses Verfahren von zwei Wissenschaftlern der National Chiao Tung Universität in Taiwan, Wayne Cheng und Chih-Nan Wu.
Auf den Sichtwinkel kommt es an
Nach Cheng wird die Helligkeit jedes einzelnen Pixels durch die Veränderung des Winkels gesteuert, den die Flüssigkeitskristalle eines LCDs (Liquid Crystal Display) zwischen zwei polarisierenden Elementen einnehmen. Er beschreibt sie als "winzige Ventile", welche die Menge des durchdringenden Lichts bestimmen. Von der Seite betrachtet ändert sich der Sichtwinkel und damit auch die Bildqualität. Folge: Die Anzeige erscheint dunkler und kontrastärmer, außerdem können auch Schärfe und Farbe in Mitleidenschaft gezogen werden.

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Noch sieht selbst das Bild hochwertiger
TFT-Monitore von der Seite anders aus.
Dieses Verhalten entsteht, da die Entwickler von mobilen Handheld-Geräten von einem stets geraden Sichtwinkel ausgehen, so Cheng. Allerdings belegen Studien bei Digitalkamera-Displays, dass der Blick oft in der Vertikalen um bis zu 40 und in der Horizontalen um bis zu 20 Grad abweicht. Dies könne je nach Anwendung sogar das Urteil des Fotografen beeinträchtigen.
Nur für einsame Zuschauer
Noch setzen die beiden Forscher auf eine neben dem Bildschirm platzierte Mini-Kamera sowie einen Laptop, der die Bilddaten mittels Software auswertet und so die Position des Zuschauers oder vielmehr seines Kopfes bestimmt. Um die Blickwinkeländerungen auszugleichen, wird neben der Ausrichtung der Flüssigkeitskristalle auch die Energiezufuhr der LED-Hintergrundbeleuchtung variiert.
Bekräftigt durch die nach eigenen Angaben vielversprechenden Testläufe, arbeiten Cheng und Wu bereits an einer einfachereren Lösung, bei der ein Infrarotsensor die Augenbewegungen analysiert. Ärzte und Chirurgen sollen als erste von dem "mitdenkenden" Display profitieren. Allerdings nützt diese Entwicklung nur einem einzigen Zuschauer, für größeres Publikum ist sie nicht vorgesehen. Doch damit wird immerhin ein wenig an einer der letzten Bastionen des Röhrenbildschirms gekratzt - denn dem ist der Blickwinkel herzlich egal.
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