Videos, Musik und gute Freunde
Nokia kauft Plazes: Social Network auf dem Handy
Mehmet Toprak
Beim Namen Nokia denkt man zumeist an Handys und Smartphones. Doch der finnische IT-Riese ist schon seit einiger Zeit dabei, sich vom Mobiltelefon-Bauern zum Organisator sozialer Netzwerke im Web zu wandeln. Jetzt hat Nokia den nächsten Schritt getan und angekündigt, den Internet-Dienst Plazes zu übernehmen.
Plazes ist ein Internet Start-up mit 13 Mitarbeitern und Hauptstandort in Berlin. Während die meisten sozialen Netzwerke ihre Mitglieder über Vorlieben und Hobbys miteinander ins Gespräch bringen, verbindet Plazes seine Mitglieder über ihre Aktivitäten. Jeder gibt an, was er vorhat und wann und wo er die Aktivität plant. Damit sind seine Freunde im Bilde und können sich gegebenenfalls einklinken oder Infos beisteuern. Also eine Mischung aus Gruppenkalender und Netzwerk. Das Konzept lässt sich auch auf Business-Zwecke anwenden, etwa um Aktivitäten auf einem Kongress schnell zu koordinieren.
Der im August 2004 gegründete Internet-Dienst könnte unter der Regie Nokias bald auch für Besitzer von Mobiltelefonen unterwegs nutzbar sein und damit eine spontane Abstimmung untereinander erlauben. Zeitgleich mit der Ankündigung von Nokia schreiben die Betreiber auf der Plazes-Homepage, dass der Service bald schon für "Millionen von Nokia-Kunden und Millionen von Mobilgeräten" verfügbar sein könnte. Die Akquisition soll laut Nokia im dritten Quartal 2008 abgeschlossen sein.
Video und Musik als Geschäftsfeld für Nokia
Nokia sieht im Bereich "social networking" und Entertainment neue Geschäftsfelder, die das Mobiltelefon-Geschäft ergänzen. Die New York Times berichtet, dass die Finnen besonders den Bereich Musik-Downloads offensiv angingen. Demnach gibt es ein entsprechendes Abkommen mit Sony BMG und Universal Music Group. Anwender dürfen ein Jahr lang kostenlos Musik downloaden, wenn sie dazu ein Nokia-Telefon benutzen. Für die Musikindustrie ist der finnische Konzern ein begehrter Partner, der ein Gegengewicht zum Marktführer Apple und seinem Dienst iTunes bilden könnte. Der Nokia Music Store hat zwei Millionen Songs im Angebot, iTunes mehr als sechs Millionen. Daneben können sich Nokia-Anwender einige Windows-Live-Anwendungen wie Messenger, Hotmail oder auch die Fotogalerie Live Spaces aufs Telefon laden.
Auch das Thema Video haben die Mobil-Strategen entdeckt. Die New York Times zitiert eine Prognose, dass in fünf Jahren 25 Prozent des Entertainment-Inhalts, den Anwender auf Handy-Displays betrachten, selbst von Mobilgeräten produziert werden. Kein Wunder, dass Nokia bereits die Fühler nach Hollywood ausgestreckt hat, um nach Kooperationen zu suchen.
Natürlich ist nicht zu erwarten, dass demnächst Blockbuster wie "Star Wars" übers Handy-Display flimmern. Das wäre auf den winzigen Geräten auch nicht lange auszuhalten. Die Displays sind aber gut genug, um etwa speziell für Mobilgeräte produzierte Kurzfilme darzustellen. Diese gibt es schon, zum Beispiel auf dem Mobile Film Festival. Sollte diese Kunstform sich auf Dauer etablieren, dann sind die cleveren Finnen mit ihrem 2,5-Zoll-Kino mit von der Partie.
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