Wissenschaftlerin bringt Computer auf die emotionale Bahn
Verbale Kommunikation: Das "Du" für den Rechner
Markus Henkel
Gegenwärtige interaktive Systeme ermöglichen Benutzern mit Computern auf viele Weise zu kommunizieren. Dabei wird aber die emotionale Kommunikation noch nicht in Betracht gezogen. Noch nicht? Eine an der Universität des baskischen Landes präsentierte Doktorarbeit bringt den Gebrauch von virtuellen Personen, so genannten Avataren, als effiziente Form der Annäherung ohne Worte hervor. Dabei konzentriert sich die Wissenschaftlerin Amalia Ortiz Nicolás fast ausschließlich auf emotionale Aspekte und tangiert die verbale Kommunikation nur noch minimal.
Keine Befehlsketten mehr bei modalen Systemen
Emotionale Aspekte stehen bei Wissenschaftlern seit Jahrzehnten hoch im Kurs. Die Forscher konzentrieren sich dabei auf die Wechselwirkung zwischen Mensch und Computer. Tatsächlich hängt ein großer Teil des Erfolgs oder Misserfolges einer Computeranwendung von der Benutzerschnittstelle ab. Die Art, wie Benutzer mit dem Betriebssystem kommunizieren, ist dabei sehr fortschrittlich: Es ist nicht mehr nötig, komplizierte Befehlsketten einzutragen - einfache Klicks und die dahinter versteckten Arbeitsschritte helfen dem Anwender zu Hause.

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Amalia Ortiz Nicolás hat dank einer tollen Idee gut lachen.
(Klick vergrößert.)
Zurzeit wird an Systemen gefeilt, die dreidimensionale Grafiken, künstliche Visionen (Welten) und Sprach-Technologien verbinden. Diese werden dann mehr-modale Wechselwirkungs-Systeme genannt. Heute sind das bei den meisten Rechnern noch Dialogfenster mit einer geringen, oft festen Größe und diese erscheinen als Pop-up-Fenster vor dem Hauptfenster der Anwendung. Der Nachteil dieser modalen und reinen Fensterkommunikation: Der Benutzer kann in den anderen Fenstern derselben Anwendung nicht weiterarbeiten, solange das Dialogfenster angezeigt wird.
Sprache: 55 Prozent beruhen auf Gesten und Gesichtsausdrücken
Unter diesen Anwendungen gibt es aber auch Systeme, die Stimmengeneratoren in sich vereinen und damit eine Möglichkeit bieten, mit der Maschine verbal zu kommunizieren. Warum das alles? Der Erfolg des Verstehens einer übersandten Nachricht hängt nur zu sieben Prozent von den benutzten Worten ab, 38 Prozent ist von der Sprache selbst abhängig (Tonart und Volumen) und ganze 55 Prozent beruhen auf Gesten und Gesichtsausdrücken. Dieses geht aus der Forschungsarbeit von Amalia Ortiz Nicolás hervor.
Und gerade diese Ergebnisse brachten Nicolás dazu, tiefer in die Materie "Künstliche Intelligenz" einzutauchen. Sie betrachtet zu diesem Zweck Module, die mehr-modale Schnittstellen gemeinsam mit der "Generation ohne Worte" ermöglichen. In ihrer Arbeit beschreibt sie den Gebrauch von Avataren als einen der besten Wege, um mit dem Computer zu kommunizieren - also Informationen ganz ohne Worte zu übertragen.
Die Informatikerin arbeitet am technologischem Zentrum Vcomtech-Ik4 (UPV/EHU) und ist hier von verschiedenen Ärzten der Abteilung "Künstliche Intelligenz" gefördert worden. Laut Nicolás konzentriert sich ihre These auf die Frage, ob Avatare tatsächlich in der Lage sind, über Gefühle zu kommunizieren. Das ist auch der Grund, warum ihren Avataren als virtuellen Personen bestimmte Charaktereigenschaften zugesprochen wurden. Sie sollen so in der Lage sein, über ihr Äußeres, Gesicht, Augen, Körper und auch über die Stimme Wechselwirkungen zwischen Mensch und Maschine zu vereinen und verstehen.
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